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Erprobungsphase

Icarus-Antenne besteht Schwebe-Test

Antennenmodell des Beobachtungssystems ist reif für Unterwasser-Training der Kosmonauten

31. Oktober 2016

Der Countdown läuft: Im Sommer 2018 wird eine russische Sojus-Rakete die Antenne des Tierbeobachtungssystems Icarus zur internationalen Raumstation ISS transportieren. Dies ist der lang ersehnte Startschuss für das bislang einmalige Projekt von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Radolfzell, mit dem Forscher weltweit das Verhalten von Tieren untersuchen möchten. Bevor es aber so weit ist, müssen die Bestandteile des Systems noch intensiv getestet werden. Das Modell der Icarus-Antenne hat sich nun in einem Unterwasser-Test als schwebetauglich erwiesen. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass die angehende Besatzung der ISS in einem Wasserbecken die Montage der Antenne üben können.

Testbereit: Das Modell der Icarus-Antenne in der Traglufthalle der Bodenseetherme Konstanz. Bild vergrößern
Testbereit: Das Modell der Icarus-Antenne in der Traglufthalle der Bodenseetherme Konstanz.

Der Ort des Schwebetests war zwar irdisch, das Ambiente wirkte aber schon ziemlich „spacig“: In der Traglufthalle der Bodenseetherme in Konstanz haben Wissenschaftler und Ingenieure am 20. Oktober 2016 ein Modell der Antenne erprobt, mit dem die Kosmonauten der ISS die Montage auf der ISS üben sollen. Dabei zeigte sich, dass das Modell genau die Eigenschaften besitzt, die es für das Training der Kosmonauten mitbringen muss. „Wir sind alle sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Das Antennenmodell schwebt in allen Lagen perfekt im Wasser“, sagt Wolfgang Pitz, Geschäftsführer des Unternehmens SpaceTech in Immenstaad, das die Antenne entwickelt hat.

Die Kosmonauten werden die Antennenmontage mit einem Modell üben, um die echte Icarus-Antenne zu schonen. Es besteht aus Metall und ist äußerlich vom Original nicht zu unterscheiden. Anstelle der Elektronik im Innern ist das Modell mit Styropor gefüllt. Über die Menge und Verteilung der Füllung lassen sich die Schwebeeigenschaften des Modells verändern. Denn damit die Kosmonauten die Antennenmontage unter Wasser trainieren können, darf das Modell weder zu leicht noch zu schwer sein. Nur wenn es in allen Lagen im Wasser schwebt, lassen sich im Wasserbecken die Arbeitsbedingungen des Weltalls simulieren.

Schon die Entwicklung des Antennenmodells war daher eine anspruchsvolle Aufgabe. „Wir haben den Aufbau des Modells vorher genau berechnet, damit es sowohl im gefalteten als auch im aufgeklappten Zustand nicht an die Wasseroberfläche treibt, sich dreht oder auf den Beckengrund sinkt. Die Testergebnisse haben nun bestätigt, dass wir mit unseren Berechnungen richtig lagen“, sagt Pitz.

Das Antennenmodell muss unter Wasser seine Schwebeeigenschaften demonstrieren: Es darf sich nicht drehen, auftauchen oder absinken. Bild vergrößern
Das Antennenmodell muss unter Wasser seine Schwebeeigenschaften demonstrieren: Es darf sich nicht drehen, auftauchen oder absinken. [weniger]

Die Kosmonauten können nun also auf dem Testgelände in Moskau mit ihrem Training an dem Antennenmodell beginnen. Die Icarus-Antenne selbst wird derzeit mit einer Schutzfarbe lackiert, bevor die Elektronik zum Senden und Empfangen der Signale aus den Sendern eingebaut wird. Als nächstes überprüfen die Ingenieure von SpaceTech mithilfe eines Schütteltests, ob die Antenne den extremen Vibrationen während des Starts standhält. Außerdem muss sie noch unter Beweis stellen, dass sie unter den Temperatur- und Druckbedingungen im All fehlerfrei arbeitet und mit den anderen elektronischen Geräten auf der ISS kompatibel ist.

Wenn alle diese Tests genauso erfolgreich verlaufen wie der Schwebetest in Konstanz, soll die Antenne an die russische Raumfahrtagentur Roscosmos übergeben werden.

 
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